DIE ARCHITEKTEN SCHUPP UND KREMMER
Nordstern 1/2 Anfang der 1930er Jahre. Die flachen Gebäude rechts im Bild, Lokomotivschuppen und Werkstatt, waren 1926 die ersten von Fritz Schupp und Martin Kremmer geplanten Nordsternbauten.
  • Nordstern 1/2 Anfang der 1930er Jahre. Die flachen Gebäude rechts im Bild, Lokomotivschuppen und Werkstatt, waren 1926 die ersten von Fritz Schupp und Martin Kremmer geplanten Nordsternbauten.

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Gestalterische Einheit aller Übertageanlagen...

Noch bevor sie 1928 mit den Planungen für das heutige UNESCO Weltkulturerbe Zeche Zollverein Schacht XII beginnen, entwerfen die jungen Architekten Fritz Schupp und Maritn Kremmer 1926 mit Werkstatt und Schreinerei erste Betriebsgebäude für die Zeche Nordstern. Sie tragen eine deutlich andere Handschrift als die umliegenden Bestandsgebäude.

Die Zechenleitung legt Wert darauf, dass die Bauten der Anlage nicht nur zweckmäßig sind, sondern auch eine autonome ästhetische Gestaltung aufweisen. Schupp und Kremmer wenden bei radikaler Formenreduzierung das Prinzip der Trennung von Tragkonstruktion und Außenhaut an, das sie im Rahmen ihrer industriearchitektonischen Planungstätigkeit in späteren Jahren weiter perfektionieren.

Auch die Zentralkokerei Nordstern auf dem schmalen Landstreifen zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal entsteht in mehreren Baustufen von 1927-1930 nach Plänen Schupp und Kremmers. Zu dieser Zeit wird auch die neue Hauptfördersohle in 840 Metern Teufe aufgefahren.

Aufgrund massiver Kriegsschäden kann die Förderung auf Schacht 1/2 nach 1945 nur auf sehr geringem Niveau wieder aufgenommen werden. Auch die Zentralkokerei, die die schwersten Zerstörungen aufweist, nimmt ihren Betrieb 1948 in geringem Umfang wieder auf.

In den Jahren 1948-1957 profitiert Nordstern von einem Investitionsprogramm in Höhe von 35 Mio. DM. Da Kremmer in den letzten Kriegstagen in Berlin verstirbt, führt Schupp die weiteren Entwurfsarbeiten für Nordstern alleine fort. Die Tagesanlagen werden dabei durch die Errichtung des Förderturms über Schacht 2 1951/52, den Ausbau der Wäsche und des Kesselhauses sowie den Neubau von Kauen, einer Lohnhalle und einem Verwaltungsgebäude in einheitlicher Formensprache umgestaltet.

Anfang der 1950er Jahre realisiert Schupp den neuen Förderturm über Schacht 2 mit einer so genannten Turmförderanlage. Bei dieser im Ruhrgebiet eher seltenen Konstruktion befindet sich die Fördermaschine nicht mehr neben dem Schacht, sondern im Kopf des Gebäudes, wodurch das klassische Wahrzeichen der Zechen – das Fördergerüst mit den Seilscheiben – verschwindet. Die Maschine wird dabei von dünnen Stahlziegelfachwerkwänden umhüllt. Schupp erreichte so die gestalterische Einheit aller Übertageanlagen.